Zeitrechnung

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Erst nachdem Aderan und Akash verbannt worden waren und den Useros Nysan nach ihren Vorstellungen gestaltet hatten, stellten sie fest wie allumfassend ihre Mutter Nym den Kosmos geschaffen hatte. Alles schien einem wiederkehrenden Kreislauf zu unterliegen - einem Kreislauf von Licht und Dunkelheit sowie Wärme und Kälte, dessen kosmischer Ursprung im Kreisen Nysans um sich selbst sowie um einen strahlenden Seriden liegt, dem Nym den Namen Sonne gab. So trennt die Sonne bis heute nicht nur den hellen Tag von der dunklen Nacht, sondern sorgt auch für den Wechsel von Wärme und Kälte während Nysan sie ein Mal zur Gänze umrundet.

Doch auch die Nacht ist nicht gänzlich von Dunkelheit erfüllt, da Nym ihre Kinder auf Nysan zu keiner Zeit der Finsternis von Lor preisgeben wollte. Daher erschuf sie nach der Verbannung von Aderan und Akash nach Nysan einen weiteren kleinen Himmelskörper, den sie um die Welt der Verbannung kreisen ließ, und gab ihm den Namen Mond. So kam es, dass auch heute noch ein Teil des strahlenden Sonnenlichts in der Nacht auf Nysan trifft, da es von dem neuen Himmelskörper gleichsam einem silbernen Spiegel auf die dunkle Welt reflektiert wird. Auch der Mond durchläuft einen stetig wiederkehrenden Zyklus, der nach ihm benannt ist. Mal erleuchtet er groß und rund die dunklen Nächte, mal wird er schmaler und schmaler bis er ganz verschwunden bleibt, um wenig später zurückzukehren und wieder anzuwachsen.

Alle Schöpfungen, die Bäume, Pflanzen, Gräser und die Tiere, sogar das Wasser und die Völker selbst ordnen sich dem Kreislauf von Sonne und Mond unter. Innerhalb des Wechsels von Wärme und Kälte gibt es die Zeit des Schlafes, die Zeit des Erwachens, die Zeit der Wärme und die Zeit der Ernte. Jede dieser Zeiten umfasst 3 Monde und Aderan und Akash beschlossen lange Zeit vor ihrem Zerwürfnis, jeden dieser 12 Monde einem Gott zu überantworten, der diesen Zeitabschnitt bewachen, beschützen und ihm seinen Namen verleihen soll. Die göttlichen Brüder gaben dem gesamten Kreislauf aller 12 Monde aus Respekt vor der Schöpferin dieser niemals endenden Erneuerung den Namen Nymran.


Kalender
Mai Inara
Juni Hestos
Juli Fluvus
August Fenora
September Rondok
Oktober Torkas
November Dilara
Dezember Somnos
Januar Novero
Februar Lakia
März Thermena
April Aivana

Jedes Nymran beginnt mit dem Mond des Lebens. Alle Bäume überziehen ihr tristes Geäst mit frischem Grün, Pflanzen entwickeln neue Triebe, die Tiere bringen neues Leben hervor. Die Völker verlassen ihre Höhlen und Behausungen, in denen sie sich vor der Kälte und der Dunkelheit verkrochen hatten und begrüßen diesen neuen Mond, indem sie mit unterschiedlichen Ritualen ihren Göttern huldigen. Sie entwickelten daraus einen ihrer höchsten Festtage, das Lichtfest, was fortan in jedem Nymran zu diesem Zeitpunkt zelebriert wurde. Aderan und Akash widmeten diesen Mond Inara, der Bewahrerin allen Lebens und Schutzgöttin der Geburt.

An den Mond des Lebens schließt sich der Mond des Wachstums an, das frische Leben beginnt zu erblühen und zu gedeihen unter der sanften Wärme der Sonne. Hestos, als Bewahrer der lebensspendenden und wärmenden Flamme des Lichts, wurde die Verantwortung für diesen Mond übertragen.

Der nächste Mond im Zeitenkreislauf ist der Mond der wechselnden Wasser. Zeiten mit großer Hitze werden unterbrochen von Zeiten kühlender Gewitter, die den dürstenden Geschöpfen Linderung verschaffen. Fluvus, der Wächter der seichten Gewässer, erhielt die Verantwortung für diesen Mond. Er soll darüber wachen, dass die unbeherrschte Fenora nicht zu früh ihren Einfluss geltend macht und Dürre über das Land bringt.

Denn der folgende Mond ist der Mond der Glut, Fenora gewidmet, Gebieterin über die zerstörerische Kraft des Feuers. Die sengende Sonne lässt die Früchte des Feldes und die Beeren reifen, dörrt aber auch den Boden aus, steckt Wälder in Brand und kann große Flüsse zu kleinen Rinnsalen werden lassen, die den Durst der Geschöpfe kaum stillen können.

Als nächstes folgt der Mond des Überflusses. Alle Schätze der Natur sind herangereift, bereit von den Völkern geerntet, bearbeitet und eingelagert zu werden, um die nahende Kälte und Dunkelheit zu überstehen. Rondok, als Herrscher über die dunklen Tiefen und Höhlen der Berge, schien am besten dazu geeignet, die eingelagerten Schätze der Völker zu bewachen.

Anschließend beginnt der Mond des Sturms. Er entlaubt die Bäume, fegt den Staub der nackten Äcker zu Sandstürmen zusammen und peitscht die Wolken über den tiefblauen Himmel. Torkas wurde die Verantwortung für diesen Mond übertragen, ist er doch der Gebieter über die eisigen Stürme des Nordens und Ostens. Am Ende dieses Mondes feiern die Völker den zweiten wichtigen Festtag jedes Nymrans: das Schattenfest. Die Völker entzünden große Feuer und erbitten den Schutz der Götter für die kommenden Monde.

Kaum sind die Stürme verklungen, folgt der Mond des Sterbens. Alles Grün der Bäume und Pflanzen verfällt zu trostlosem Braun, selbst die Wolken hängen in bleiernem Grau über dem Land, um es tagelang in undurchdringlichen Nebel zu hüllen, der jeglichen Laut verschluckt. Ein jeder hofft genug Vorräte angelegt zu haben für die kommende Dunkelheit, denn ansonsten erwartet sie der sichere Tod. Dilara, Gebieterin über Schmerz und den gewaltsamen Tod, war die unumstrittene Herrscherin über diesen Abschnitt des Nymrans.

Danach beginnt der Mond der Stille. Die Tiere des Waldes verkriechen sich in Höhlen und verfallen in tiefem Schlaf oder drängen sich dicht zusammen, um der Kälte zu trotzen. Auch die Völker rücken dichter zusammen, gedenken ihrer verstorbenen Ahnen und erzählen sich Sagen und Legenden an wärmenden Feuern. Somnos, dem Wächter des Schlafes, wurde die Verantwortung für diesen Mond übertragen.

Der Mond der Stille geht lautlos über in den Mond der eisigen Ruhe. Der ganze Kontinent scheint erstarrt, begraben unter den schweren Lasten von Schnee und Eis. Es ist der dunkelste Mond im ganzen Nymran. Die Völker harren aus - still, betend und hoffend, dass der Useros erwacht, bevor die Vorräte aufgebraucht sind. Sie halten ihre Kleidung, Werkzeuge und Waffen in Ordnung oder fertigen neue an. Sie schmieden Pläne für die kommende Zeit des Lichts und warten. Novero, dem Gott des Zorns und Wächter der schöpferischen Neuerungen, war dieser Mond gewidmet.

Dann beginnt der Mond der tosenden Wasser. An den anschwellenden Flüssen merken die Völker zuerst, dass die Erneuerung einsetzt. Schnee und Eis wird wieder zu Wasser und schießt in unkontrollierbaren Strömen die Hänge hinab. Kleine Bäche werden zu reißenden Flüssen und nicht selten kommt jemand, der sich zu früh aus dem Schutz der Behausungen und Höhlen wagt, nicht mehr zurück. Lakia wurde dieser Mond geweiht, denn sie ist die Herrin über die dunklen Untiefen der Meere und Seen und damit über die Gewalten des Wassers.

Als nächstes folgt der Mond der brechenden Erde. Die gefrorenen Schollen brechen auf und gebären tiefschwarze feuchte Erde, vermischt mit den abgestorbenen Resten des vergangenen Nymrans, fruchtbar und wie geschaffen für die erwachenden Keimlinge, die schlafend unter dem Eis nur auf diesen Moment gewartet haben. Nicht selten bringt dieser Mond neue Schätze des Useros zu Tage, freigelegt durch eisige Erdrutsche, oder herausgespült durch die tosenden Wassermassen des Vormondes. Auch deshalb wurde dieser Mond Thermena überantwortet, der Hüterin der fruchtbaren Äcker sowie von Edelmetallen und Gemmen.

Der Kreislauf des Nymrans auf Andaloria geht zu Ende mit dem Mond der Winde. Ein Mond voller Wechsel mit der Rückkehr der wärmenden Sonne, sich öffnender Blüten und leichter Winde, die dafür sorgen, dass später Früchte aus den Blüten entstehen können. Dieser Mond wurde Aivana gewidmet, der Herrscherin über die sanften Winde des Südens und Westens. Aber auch der Sturm mit Hagel und Schnee kehrt bisweilen noch einmal zurück, doch bleibt er nie lang und trägt immer die Hoffung des neu beginnenden Nymrans mit sich.